Advent

Und schon ist ein Jahr nahezu wieder vorüber: wir sind mitten im Advent. Advent bedeutet „Ankunft“. Mal ehrlich: benutzen Sie dieses Wort im täglichen Sprachgebrauch? Ich nicht – mit Ausnahme, wenn ich das Wort bei Fahrplänen sehe, sonst aber nicht. In der Regel rede ich vom Ankommen … ich komme dann und dann an.

Vor gut 2.000 Jahren ist Jesus auf unserer Erde angekommen und er kommt jedes Jahr aufs Neue an Weihnachten bei uns an. Im Advent haben wir vier Wochen lang Gelegenheit, uns auf dieses Ereignis, dieses Ankommen, auf seine Ankunft vorzubereiten. Für viele ist das mit Stress und Hektik verbunden, mit Planen und Einkaufen, mit Backen und Dekorieren und vieles mehr. Aber ist das wirklich der Sinn der Sache? Geht es nicht vielmehr darum, dass ich mich auf das Eigentliche vorbereite? Auf die Geburt Jesu, auf seine Ankunft? Und dass ich selbst innehalte im Trubel dieser Zeit, dass ich zur Ruhe kommen – und dass ich ankomme – bei mir selbst.

Ich wünsche Ihnen, diese Adventszeit zu nutzen, sich auf die Ankunft von Jesus vorzubereiten, bei sich selbst anzukommen, damit er bei jedem von uns ankommen kann.

Patrizia Magin

Alltagsheilige

Mal ehrlich: wer hat im vergangenen Jahr mitbekommen, dass Papst Franziskus einen Gedenktag für die Alltagsheiligen eingesetzt hat? Ich nicht – und ich war ziemlich erstaunt, unlängst davon zu lesen. Dieser Gedenktag wird ab diesem Jahr gefeiert, und zwar am 9. November, der zudem auch der Weihetag der Lateranbasilika ist.

Doch an welche Menschen soll da gedacht werden? Mit Heiligen verbinden wir ja Menschen, die besonders waren in ihrem Leben und Wirken. Aber Alltagsheilige? Na ja, spontan fallen mir da schon einige Personengruppen ein:  Sanitäter*innen, Feuerwehrfrauen und -männer, Helfer*innen bei Katastrophen, Krankenschwestern und -pfleger usw.

Aber sind „nur“ diese Personengruppen gemeint? Wie sieht es mit den Alltagsheiligen in meiner unmittelbaren Umgebung aus? Da ist die Nachbarin, die für das ältere Ehepaar im gleichen Haus die Einkäufe erledigt. Da ist der hochbegabte Junge von gegenüber, der sich nicht nur um die Hausaufgabenbetreuung bei den Geschwistern, sondern von deren Freund*innen kümmert. Da ist die Freundin, die stets da ist, wenn es darum geht zuzuhören. Da sind viele Menschen in unserer Pfarrei und unseren Gemeinden, die sich um andere Menschen sorgen, sei es bei der Winterhilfe, der Hauskommunion, den Besuchsdiensten – um nur einige Beispiele zu nennen. Bestimmt fallen Ihnen auch solche Menschen ein!

Denken wir doch im November mal ganz gezielt an diese Menschen und beten für sie – und danken ihnen, sei es durch ein schlichtes „Danke“ oder durch ein Lächeln. Diese Menschen haben sich das verdient.

Patrizia Magin

ernten - danken - Erntedank

Im Oktober feiern wir das Erntedankfest. Landwirte und Winzer ernten ihre Erzeugnisse und danken, dass Extremwetter – zumindest in unserer Region – nicht zu viele Schäden angerichtet hat. Wir haben auch allen Grund zu danken: Wir können im Überfluss die geernteten Früchte beziehen. Aber danken wir, danke ich auch wirklich?

Danke und denke ich an die zuweilen harte körperliche Arbeit derer, die dafür sorgen, dass ich mich nicht einseitig ernähren muss? Danke und denke ich während der Reifezeit an die Menschen, die Angst haben vor Extremwetter und dass ihre Ernte nicht eingefahren werden kann? Danke und denke ich daran, mein Konsumverhalten dem anzupassen, was ich tatsächlich benötige und nicht im Überfluss zu kaufen und dann Essen wegzuwerfen?

In einem Lied von Raymund Weber heißt es „Alle Gaben dieser Erde hat uns Gott, der Herr, geschenkt. Und wir atmen und wir leben, weil uns seine Hand umfängt“. Denken wir daran, wenn wir im Oktober Erntedank feiern.

Patrizia Magin

Schöpfung

Vor vielen Jahren gab es ein populäres Neues Geistliches Lied: „He’s got the whole world in his hand“ –

„Er hält mein Leben in der Hand“. Ein passendes Lied, feiern wir in jedem Jahr am 1. September den Tag der Schöpfung. Und noch dazu sind wir mitten im „Haupterntemonat“. Wir oder vielmehr die vielen Landwirte und Winzer ernten die Früchte ihrer Arbeit. Nehmen wir die Schöpfung, die sich vielfältig um uns herum zeigt, noch wahr? Beispielsweise ein Sonnenblumenfeld oder reife Trauben an den Reben? Oder nehmen wir „nur“ noch Abfallberge und Müll – gerade bei uns in der Stadt – wahr und ärgern uns darüber?
Ist uns bewusst, dass die ganze Schöpfung und unser aller Leben einzig und allein in Gottes Hand liegt? Leben wir, lebe ich danach – schöpfungsbewusst, umweltbewusst?

Fragen, die anregen wollen, sich im September und darüber hinaus mit dem Thema Schöpfung, verbunden mit dem Dank für die Erde, auseinanderzusetzen.

Patrizia Magin

Die Welt ist bunt, ist voller Farben

Das Bild für diesen Impuls habe ich per Zufall entdeckt und ich habe mich gefragt, ob ich eine einzelne oder mehrere Farben oder gar bunt wäre…

Ich habe festgestellt, dass sich mein Farbempfinden im Laufe der Jahre verändert hat. Während früher überwiegend Blautöne meine Kleidung beherrschten, bin ich heute durchaus offener für andere Farben – wenngleich ich nicht alle Farben in meiner Kleidung mag.

Farbempfinden spiegelt sich auch in unserer Stimmung wieder: in traurigen Zeiten sehen wir die Welt meist düster, also hellgrau bis – nicht selten – schwarz. In freudigen Zeiten sehen wir die Welt dagegen hell und – je nach Ereignis – von weiß in allen Farbschattierungen, natürlich außer dunkel.

Wie ist es mit meinem Glauben? Eigentlich sollte dieser ebenso bunt sein wie die Welt, wie Gott. Dennoch gibt es auch da dunkle Zeiten/Farben und helle Zeiten/Farben.  Welche Farben und damit verbunden auch welche Buntheit bei mir überwiegt, das bestimme ich selbst. Es liegt also an mir, ob ich bunt sein will, so bunt – wie die ganze Welt.

Patrizia Magin

Ja sagen

Bei den vergangenen Verabschiedungen für die aus Gremien scheidenden Personen und als Danke-Schön für alle in den Gremien arbeitenden Personen hatten wir jeweils Mitglieder eines Improvisationstheaters eingeladen. Jedes Mal spannend, denn die Mitglieder des
Ensembles haben keine tiefen Einblicke in unsere Gremienarbeit – und auf der anderen Seite waren wir gespannt, was am Ende herauskommt, waren wir auch selbst teilweise in die Improvisation mit eingebunden. Die Situation ist vergleichbar mit einer Kristallkugel, die das Bild zeigt – sobald man diese dreht, ist etwas anderes sichtbar.

„Ja sagen“, lautet eine Regel beziehungsweise ist eine Haltung im Improvisationstheater, die wesentlich dazu beiträgt, dass das gemeinsame Spiel in einen Fluss kommt. Wenn die Spieler*innen zu dem, was eine andere Person im Spiel ihnen anbietet, „Ja" sagen, sagen sie Ja zum „Wir“, aus dem das Spiel entstehen kann. Sie nehmen sich und ihre eigenen Interessen zurück, kämpfen nicht um den eigenen Status, stoßen das Gegenüber nicht vor den Kopf. Eine Technik bzw. Haltung, die Einübung erfordert. Das haben wir selbst gemerkt, insbesondere da wir meist zu „verkopft“ anstelle von „kreativ“ oder „spontan“ waren. Oftmals sagen wir leichter „Nein“ oder „Ja, aber“ – das ist natürlich bei einem Improvisationstheater fatal und vor allem nicht zielführend, sondern führt zu Langeweile und letztendlich zu Frust.

Nein, im Leben kann es nicht darum gehen, zu allem „Ja“ zu sagen, schon gar nicht „Ja und Amen“. Es braucht auch „Nein“ und „Ja, aber“ oder „Vielleicht“. Faszinierend beim Ja-Sagen während eines Improtheaters ist, dass diese Haltung in unserer biblischen Überlieferung wiederzufinden ist. Gott sagt Ja zur Schöpfung und damit grundsätzlich zu jedem Menschen, der geboren wird. Für mich immer wieder ein erstaunliches Fundament, auf das ich bauen kann. Da ist jemand, der unbedingt Ja zu mir und zu jedem Menschen sagt. Darin liegt so viel grundlegende Wertschätzung. Dieses Ja höre ich auch in den paulinischen Worten: „Ihr alle seid durch den Glauben Söhne [und Töchter] Gottes in Christus Jesus. […] Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich“ (Gal 3,26.28a).

Wie oft verschwende ich meine Energie damit, mich aufzureiben an Gegebenheiten, die ich nicht ändern kann, oder aufrege über Personen, die nicht so sind oder so reagieren, wie ich mir das vorstelle – also innerlich Nein sage? Vielleicht ist es künftig besser, öfter „Ja“ zu sagen und den Reflex „Nein“ bzw. „Ja, aber“ zu unterdrücken – ich werde das Experiment auf jeden Fall mal starten.

Patrizia Magin in Anlehnung an das Bibelfenster vom 22. Juni 2025 © Bistum Osnabrück

Pfingsten - Weltkirche

„Und alle wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.“ (Apg 2,4) In wenigen Tagen feiern wir Pfingsten und hören zur Lesung die Apostelgeschichte, aus der dieser Satz entnommen ist.

Ein Zeichen von Weltkirche zeigt sich in diesem Satz: gleichgültig, welcher Nationalität wir angehören, gleichgültig, welche Sprache wir sprechen – wir gehören zusammen. 2024 haben wir Weltkirche in unserer Pfarrei bei zwei größeren Ereignissen erfahren und spüren dürfen: beim MISEREOR-Eröffnungsgottesdienst im Februar und beim 40. Priesterjubiläum von Pfr. Thomas im Oktober. Aber neben solchen Großereignissen haben wir jede Woche und in jedem Gottesdienst die Möglichkeit, Weltkirche zu erfahren. Laut dem Stadtteilpass der Stadt Ludwigshafen leben auf unserem Pfarreigebiet Menschen aus rund 50 verschiedenen Nationen – und nicht wenige davon gehören der katholischen Kirche an und besuchen unsere Gottesdienste. Dazu finden in unseren Kirchen regelmäßig fremdsprachliche Gottesdienste statt – ein weiteres Zeichen der Verbundenheit und der Weltkirche.

Zugegeben: es ist nicht immer leicht, Gesten und/oder Haltungen von anderen Nationen zu verstehen, manchmal gar zu akzeptieren. Aber: zählt letztendlich nicht der gemeinsame Glaube, das gemeinsame Gebet, der gemeinsame Gottesdienst? Lassen wir uns zu Pfingsten und darüber hinaus vom Heiligen Geist anstecken und erfüllen – und leben wir Weltkirche.

Patrizia Magin

Tag der Arbeit

Der Mai beginnt alljährlich mit einem Feiertag. Der 1. Mai wird als „Tag der Arbeit“ begangen. Was viele vielleicht nicht wissen: dieses Datum ist als Gedenktag dem Hl. Josef gewidmet. Manch eine/r wird stutzen und denken, ihm „gehört“ doch der 19. März? Ja, das ist richtig – dem Hl. Josef sind gleich zwei Feiertage gewidmet. Am 19. März wird dieser Gedenktag seit dem 12. Jahrhundert gefeiert. Im Jahr 1870 ernannte Papst Pius IX. den Hl. Josef zum Schutzpatron der ganzen Kirche.

Doch der Hl. Josef war nicht nur der Ziehvater von Jesus, sondern er war von Beruf Zimmermann. „Als Reaktion der katholischen Kirche auf die Arbeiterbewegung wird neben dem Hochfest im März am 1. Mai das Fest des Hl. Josefs des Arbeiters begangen, mit dem die Würde der menschlichen Arbeit verdeutlicht werden soll. Der Gedenktag wurde von Papst Pius XII. im Jahr 1955 eingeführt.“ (Quelle: wikipedia)

Und schon „landen“ wir wieder bei der „Würde des Menschen“ – um „Würde“ geht es sowohl beim Jahresmotto der Caritas als auch beim Jahresmotto von MISEREOR. Am 1. Mai geht es um die Würde der menschlichen Arbeit. Und gleich tauchen viele Fragen auf: würdige ich die Arbeit von – insbesondere – dienstleistenden Menschen. Und ich meine hier mal nicht in erster Linie die Arbeit von Erzieher*innen, medizinischem Personal, Polizei oder Feuerwehr. Nein: würdige ich die Arbeit beispielsweise von Müllabfuhr, von Putzdiensten, Verkäufer*innen im Supermarkt, um nur einige zu nennen, die häufig gerade mal den Mindestlohn erhalten? Oft reicht ein Dankeschön oder ein Lächeln aus, um diese Menschen zu würdigen – die Lohnbedingungen können die wenigsten von uns verändern.

Patrizia Magin

"Würde - unantastbar"

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es im ersten Artikel unseres Grundgesetzes. Jeder Mensch hat die eigene Würde von Geburt an. Und dennoch gibt es in unserer Zeit viele Gegensätze: Rechtsextremismus, Antisemitismus, unterlassene Hilfeleistungen – um nur einige zu nennen.

Der Künstler und Diakon Ralf Knoblauch erschafft Holzfiguren – Könige aus Holz. Diese stehen und werben für Würde, Hoffnung und Menschlichkeit. Er schreibt selbst dazu: „Meine König:innen stehen für alle Menschen – egal welcher Herkunft sie sind oder welchen sozialen Status sie haben. Sie mahnen zugleich, diesen Universalanspruch der Unantastbarkeit der Würde nicht zu verdrehen, zu glätten oder umzuinterpretieren. Kein mehr oder weniger. Alle haben den gleichen Anspruch auf Würde.“

Wie sieht es bei mir selbst aus? Bin ich selbst würdevoll? Würdige ich andere Menschen bzw. würdige ich mich selbst?

Patrizia Magin (Text und Bild / Das Bild zeigt eine Königsfigur von Ralf Knoblauch.)

7 Wochen ohne ... oder vielleicht auch mit ...?

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit – und es liegen 7 Wochen vor uns bis wir das Osterfest feiern dürfen.

7 Wochen … vielfach „ohne“, also mit Verzicht auf Genuss, in welcher Hinsicht auch immer. Ob Schokolade, Fleisch, Alkohol, Fernsehen oder …

Aber wie wäre es – vielleicht neben bewusstem Verzicht, also „7 Wochen ohne“ – auch mal mit „7 Wochen mit …“, also mit bewusstem Leben? Zum Beispiel 7 Wochen mit (mehr) Zeit für Gott und für mich selbst, mit Zeit für Gebet, für das Lesen in der Bibel oder Kreativität beim Schreiben von selbstformulierten Psalmen, Gebeten oder ähnlichem? 7 Wochen, um tiefer einzutauchen in die Welt des Glaubens?

Vielleicht ist auch eine Kopplung von „ohne“ und „mit“ denkbar? Ich denke, ausprobieren lohnt sich!

Patrizia Magin

Hannah und Simeon

Wer kennt diese beiden Personen nicht? Alljährlich hören wir ihre Geschichte zum Fest „Darstellung des Herrn“; beide haben in diesem Kapitel aus dem Lukas-Evangelium quasi ihren „großen“ Auftritt.

Hannah und Simeon, heutzutage würden diese beiden zur sogenannten „Risikogruppe“ der Hochbetagten zählen, begegnen dem Messias. Sie haben als Prophetin und als Prophet das Gespür für den richtigen Augenblick oder – wie es im Text so schön heißt – für den Heiligen Geist. Denn der Geist ist es, der Simeon im richtigen Moment in den Tempel führt; der dafür sorgt, dass Simeon zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. Hannah war sowieso schon da, da sie sich täglich im Tempel aufhielt.

Eine Stelle in dieser Erzählung bewegt mich sehr: „Er nahm das Kind in seine Arme.“ Wie oft nehme ich einen anderen Menschen in den Arm? Ist es „nur“ die Berührung“ oder nehme ich dabei den anderen Menschen wahr? Und wenn ich mein Gegenüber wahr- und annehme – was wird mir dabei alles in den Arm gelegt? Freudige und traurige Nachrichten, Konflikte und Probleme … alles hat eine eigene Bedeutung. Wenn ich in diesem Evangelium weiterlese, stellt sich die Frage, ob es auch bei mir Situationen gibt, in denen ich glücklich (und vielleicht auch manches Mal verwundert) bin über die Umarmung(en) mit anderen Menschen.

Patrizia Magin

 

Das Kind umarmen
Unerwartet klein
kommt
der erwartete Retter -
zieht ein
in den Tempel
als Kind.
Ist enthüllendes Licht
Herrlichkeit
und Gericht -
Wer sieht seinen Schein?
Zeichen des Widerspruchs
wird er sein
schon bald -
verwundete Knechtsgestalt.
Unerwartet klein
kommt
der erwartete Retter -
tritt ein
in mein Leben
als Kind.
Charis Doepgen OSB

Geben oder Nehmen

„Geben macht seliger denn nehmen“ – ein vermutlich den meisten bekanntes Sprichwort. Doch ist das auch in der Realität so? „Rechnen“ wir (nicht nur in der vergangenen Weihnachtszeit, sondern auch während des Jahres) nicht auf oder stellen wir gegenüber, was wir bekommen – und was wir zurückgeben? Wie reagiere ich auf ein unverhofftes Geschenk? Und was „verdient“ der- oder diejenige für die investierte Aufmerksamkeit; was ist angemessen?

Dieses absolut menschliche Prinzip der Gegenseitigkeit begegnet uns in unserem Leben auf Schritt und Tritt: in der Familie, im Beruf und in der Schule, in Freundschaften, in der Partnerschaft. Selbst bei Ausübung eines Ehrenamts freut man/frau sich über die Gegenleistung in Form von Wertschätzung. In der römischen Mythologie steht die Göttin Justitia für ausgleichende Gerechtigkeit, versinnbildlicht durch die Waage, die sie in der Hand hält. Wie ist es denn bei uns mit unserer eigenen Waage? Die gibt wahrscheinlich keiner gerne aus der Hand.

Und wie ist das in unserem, in meinem Glaubensleben? Bin ich da frei von dem Denken in Tauschkategorien? Ich gebe Zeit, Geld, Liebe, Gebet … und „erwarte“ ich eine Gegenleistung? Gar von Gott? Ich bezweifle, dass Gott ein solches „Geschäft“ angedacht hat als er seinen Sohn in die Welt geschickt hat. Gott schenkt uns seinen Sohn, ohne dass wir eine Leistung erbracht haben.

Aber: können wir – vielleicht als Vorsatz für das vor uns liegende Jahr – uns nicht „einfach“ mal vornehmen, unsere Leistungen nicht auf- oder gegenzurechnen?

Patrizia Magin