"Er sah und glaubte" (Joh 20,8b)

Große und eigentlich unfassbare Worte, die wir im Evangelium nach Johannes lesen können und öfter schon zu Ostern gehört haben: „Er sah und glaubte“ (Joh 20, 8b) Wie geht es uns, wie geht es mir damit?

Wir alle sind keine Zeitzeugen, können uns also nur auf das verlassen, was die Evangelisten aufgeschrieben haben. Ich bin an diesem Halbsatz hängen geblieben: „Er sah und glaubte“ (Joh 20, 8b) und ich frage mich, ob glauben so einfach ist. Weiter noch: glaube ich nur und/oder alles, was ich sehe? Quasi, wenn ich einen „Beweis“ habe? Oder werde ich erst aufmerksam, wenn ich das eine oder andere mehrfach gesehen habe? Oder wenn ich auf eine Sache explizit aufmerksam gemacht, also mit der Nase darauf gestoßen wurde?

Niemand von uns kann erahnen, wie es Maria aus Magdala und den Jüngern ging, als sie vor dem leeren Grab standen und Jesus nicht mehr da war. Und es ist verwunderlich bzw. schwer zu begreifen, dass sie dann „einfach so“ glaubten. Allerdings haben sie Jesus kennengelernt, war mit ihm unterwegs, haben seine Worte gehört – da war es für sie vielleicht leichter zu glauben.

Vor vielen Jahren war ich in Israel und wir haben u. a. eine solche Grabstätte, vorzustellen eher wie eine Art Höhle, wie sie vermutlich zur Zeit Jesu verwendet wurde, besucht. Es war schon sehr düster darin; draußen war das Wetter noch dazu regnerisch und trübe. Wir setzten uns und hörten an diesem Ort die Auferstehungsgeschichte. Als die Stelle mit der Auferstehung kam, schien plötzlich die Sonne in diese Höhle – für mich ein nahezu magischer Moment.  Und wenn ich heute daran zurückdenke und diese Worte aus dem Johannes-Evangelium lese und höre, dann ist es nachvollziehbar, dass diese Worte so aufgeschrieben sind. Dann kann Glauben (bei allen Zweifeln und Fragen, die auch immer wieder da sind) einfach sein, auch ohne Beweis.

Patrizia Magin